Daten und Fakten über den Islam in Deutschland , Datum: 23.12.2024, Format: Artikel

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In Deutschland leben ungefähr 5,5 Millionen Menschen muslimischen Glaubens. Etwa die Hälfte von ihnen (knapp 3 Mio.) besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Der muslimische Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt ca. 6,6 %. Nach den rund 45 Millionen Angehörigen christlicher Kirchen (50 % der Gesamtbevölkerung) bilden muslimische Menschen – mit deutlichem Abstand – die zweitgrößte religiöse Bevölkerungsgruppe in unserem Land.

Das Geschlechterverhältnis muslimischer Menschen in Deutschland ist fast ausgeglichen. Muslimische Männer verfügen mit 52 % über eine knappe Mehrheit gegenüber den Frauen (48 %). Während der gesamtdeutsche Altersdurchschnitt bei etwas über 44 Jahren liegt, stellen Musliminnen und Muslime mit einem Durchschnittsalter von rund 32 Jahren eine vergleichsweise junge Bevölkerungsgruppe dar. Ein muslimischer Haushalt besteht hierzulande im Schnitt aus 3,6 Personen, was einem Ehepaar mit 1-2 Kindern gleichkommt. Auch die Zahl der muslimischen Singlehaushalte wird bisweilen überschätzt, beträgt in der Tat aber nur rund 11 %.

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Die hier präsentierten Daten basieren auf der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland 2020" (MLD2020), welche im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge publiziert worden ist. Weiterführende Informationen zu einzelnen Themen können Sie dort nachlesen. Die Kurzfassung der Studie finden Sie hier verlinkt, die Langfassung hier. Aufbauend auf der Hauptstudie MLD2020 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einzelne Bereiche in Folgestudien vertieft:

  • Forschungsbericht 47 zu "Zugehörigkeit und Zusammenleben"
  • Forschungsbericht 48 zu "Diskriminierungserfahrungen von Menschen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern"
  • Kurzanalyse 2|2023 zu "Interreligiosität und interreligiöse Offenheit von Menschen mit Migrationshintergrund aus muslimisch geprägten Herkunftsländern"

Auf den Daten der Studie MLD2020 basiert außerdem die Kurzanalyse 5|2024 zu "Deutsch als (Teil der) Familiensprache". Die Erkenntnisse der Folgestudien sind im Folgenden ebenso mitberücksichtigt.

Musliminnen und Muslime in Deutschland: eine Minderheit mit großer Vielfalt

Die muslimische Gemeinschaft in Deutschland ist äußerst vielfältig. Dies gilt sowohl hinsichtlich ihrer kulturellen und sprachlichen Hintergründe als auch mit Blick auf die vertretenen Glaubensrichtungen. Darüber hinaus variiert das persönliche Maß an Religiosität oder Frömmigkeit unter Musliminnen und Muslimen stark.

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45 % der muslimischen Menschen in Deutschland stammen aus der Türkei (rund 2,5 Millionen). Ihr Anteil an der Gesamtzahl der hier lebenden Musliminnen und Muslime ist im Vergleich zu 2015 (53 %) gesunken. Türkeistämmige stellen damit zwar nicht mehr die absolute Mehrheit, jedoch bilden sie noch immer die mit Abstand größte muslimische Herkunftsgruppe. Die zweitgrößte Gruppe hat arabische Wurzeln (27 %) und stammt aus dem Nahen Osten (v.a. Syrien) oder Nordafrika, gefolgt von Musliminnen und Muslimen aus Südosteuropa (19 %) und dem Mittleren Osten (9 %), v.a. Afghanistan und Iran.

Ferner leben in Deutschland Menschen, die vormals nichtmuslimisch waren, aufgrund religiöser Überzeugungen, Heirat oder anderer Gründe zum Islam übergetreten sind. Zu ihrer Anzahl liegen jedoch keine Daten vor.

Drei Viertel der hier lebenden Musliminnen und Muslime sind sunnitisch. Auch weltweit stellt das Sunnitentum die am meisten verbreitete islamische Strömung dar. Sie ist in sich überaus vielfältig, was gleichsam in Deutschland spürbar ist. Daneben kennt der Islam weitere Strömungen und Gruppen, die sich in ihrer Religionsauslegung voneinander sowie vom Sunnitentum unterscheiden. Das Schiitentum, das gleichsam sehr vielfältig ist, bildet heutzutage die zweitgrößte Strömung in der islamischen Welt. In Deutschland ist der Anteil von Schiitinnen und Schiiten an der muslimischen Gesamtzahl aber vergleichsweise gering (4 %).

Demgegenüber gehört mit ca. 8 % ein relativ großer Anteil dem türkisch geprägten Alevitentum an, dessen Angehörige sich teils innerhalb, teils außerhalb des Islams verorten: Rund 40 % der Alevitinnen und Aleviten betrachten das Alevitentum als eigenständige Religion. Angehörige der Ahmadiyya sowie sonstiger Glaubensrichtungen stellen einen Anteil von je einem Prozent.

Religiosität prägt den Alltag vieler muslimischer Menschen

Für viele muslimische Menschen in Deutschland stellt die praktische Ausübung ihrer Religion einen festen Bestandteil im Leben dar. Diese umfasst religiöse Regeln und Bräuche, wie beispielsweise die Getränke- und Speisevorschriften, an die sich 70 % der Musliminnen und Muslime halten. Fast ebenso viele (66 %) geben an, religiöse Feste zu begehen. Hierzu gehören z.B. das "Fest des Fastenbrechens" (auch "Zuckerfest") nach Ende des Monats Ramadan und das "Opferfest" zur Zeit der Pilgerfahrt.

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Ein wichtiger Bestandteil muslimischer Alltagsfrömmigkeit ist das – zu fünf Tageszeiten zu verrichtende – rituelle Gebet. Der Anteil täglich betender Personen beträgt 38 %. Gar nicht beten nach eigenen Angaben etwa 25 % (bzw. 36 %, wenn man diejenigen einbezieht, die nur ein paar Mal im Jahr beten). Eine weitere wichtige Säule der islamischen Glaubenspraxis bildet das Fasten, insbesondere während des islamischen Monats Ramadan. Gefastet wird dabei jeweils vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Drei Viertel der in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslime geben an, sich ganz (56 %) oder teilweise (20 %) an das islamische Fastengebot zu halten. Das übrige Viertel fastet nicht.

Der Grad der Frömmigkeit hängt auch häufig von der Generationenzugehörigkeit ab: In Deutschland geborene Musliminnen und Muslime sind oftmals weniger gläubig als ihre zugewanderten Eltern.

Ihr religiöses Wissen über das Christentum und das Judentum schätzen Musliminnen und Muslime in Deutschland unterschiedlich ein. 42 % geben an, viel oder sehr viel über das Christentum zu wissen. Ein Großteil hat bereits ein oder mehrere Male (89 %) eine Kirche besucht. Wissen über das Judentum und der Besuch einer Synagoge sind, wie in den übrigen Teilen der Gesellschaft, hingegen wenig verbreitet.

Muslimische Frauen: religiös auch ohne Kopftuch?

Muslimische Frauen sind etwas gläubiger als die Männer. Jede dritte Muslimin gibt an, sehr gläubig zu sein.

Bei den muslimischen Männern ist es jeder Vierte. Auch das tägliche Gebet wird von Frauen häufiger verrichtet. Während beispielsweise nur knapp ein Drittel der Männer täglich betet, ist es bei Frauen fast die Hälfte.

Von den Frauen, die sich selbst als sehr religiös einschätzen, tragen jedoch nicht alle auch ein Kopftuch. Der Gesamtanteil muslimischer Frauen mit Kopftuch beträgt weniger als ein Drittel. Musliminnen, die kein Kopftuch tragen, erachten das Kopftuch für die Ausübung ihres Glaubens entweder für nicht notwendig (77 %) oder mögen es einfach nicht, den Kopf zu bedecken (56 %). Mehr als ein Drittel befürchtet aber auch gesellschaftliche Nachteile durch das Tragen eines Kopftuchs
(35 %). Viele muslimische Frauen mit Kopftuch benennen Erfahrungen der Benachteiligung in verschiedenen Lebensbereichen, so etwa bei der Stellen- und Wohnungssuche, bei der Benotung in der Schule und in anderen Situationen des Alltags.

Solche Erfahrungen machen jedoch nicht nur muslimische Frauen mit Kopftuch. Aufgrund des Glaubens und/oder der Herkunft aus einem muslimisch geprägten Land erfahren Musliminnen und Muslime in Deutschland Anfeindungen verschiedenster Art. Eine umfassende Analyse der Formen und des Ausmaßes von Muslimfeindlichkeit hat der Unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit vorgelegt.

Unabhängiger Expertenkreis Muslimfeindlichkeit (UEM)

Im Juni 2023 stellte der Unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit (UEM) seinen Abschlussbericht "Muslimfeindlichkeit – Eine deutsche Bilanz" vor. Die knapp 400 Seiten starke Publikation enthält eine weitreichende wissenschaftliche Bestandsaufnahme des Phänomens und richtet sich mit umfangreichen Empfehlungen an Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Nähere Informationen finden Sie hier.

Muslimfeindlichkeit hat auch Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung von Musliminnen und Muslime. So stimmen der Aussage "Muslime werden in Deutschland nicht als Teil der Gesellschaft anerkannt" 14 % der muslimischen Religionsangehörigen voll und ganz zu und weitere 30 % eher zu. Es ist außerdem auffällig, dass Angehörige der zweiten Generation mehr Diskriminierung wahrnehmen als Angehörige der ersten Generation. Dieser Befund lässt sich u.a. dadurch erklären, dass die in Deutschland geborenen Musliminnen und Muslime sehr viel selbstverständlicher gesellschaftliche Akzeptanz erwarten und ihre Gleichbehandlung einfordern. Es gibt unter ihnen eine höhere Sensibilität gegenüber bleibenden Benachteiligungen.

Aktiv in Moscheegemeinde und Gesellschaft: Musliminnen und Muslime sind vielfältig engagiert

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Knapp ein Achtel der hier lebenden Musliminnen und Muslime engagiert sich in einer Moscheegemeinde. Die eigentliche Zahl der Gläubigen, die regelmäßig eine Moschee besuchen oder sich dort ehrenamtlich einbringen, ist dagegen sehr viel höher.

Auch jenseits ihrer Moscheegemeinde engagieren sich viele Musliminnen und Muslime in unserer Gesellschaft: Der Großteil derer, die eine Vereinsmitgliedschaft besitzen (33 %), hat diese in einem Verein, der keinen Bezug zum eigenen Herkunftsland (oder dem der Eltern) aufweist (23 %). Gleichzeitig haben Musliminnen und Muslime ein überwiegend offenes Gesellschaftsbild, das sich in entsprechenden Einstellungen zur Zugehörigkeit und zum Zusammenleben zeigt. Alltagskontakte muslimischer Menschen mit Deutschen ohne Migrationshintergrund sind häufig. So haben etwa 65 % mindestens einmal wöchentlich Kontakt zu deutschstämmigen Personen im Freundeskreis. Auch Musliminnen und Muslime mit (noch) wenigen sozialen Kontakten hegen den starken Wunsch, öfter mit Deutschen ohne Migrationsgeschichte in Austausch zu treten. Eine ausdrückliche Abgrenzungstendenz muslimischer Menschen kann daher weder in religiöser noch in ethnischer Hinsicht festgestellt werden. Vielmehr fühlen sich Musliminnen und Muslime in der Regel stark mit Deutschland verbunden (über 80 %).

Die Verbundenheit zeigt sich auch in der Verwendung der deutschen Sprache in muslimischen Familien. In 75 % der Familien wird mit den Kindern (auch) Deutsch gesprochen. Häufig kombiniert man zuhause Deutsch und elterliche Muttersprache.